Ein musikalischer Kurztrip 2011 nach Malawi

Nach einem Treffen von Musikern des BAF (Blantyre Arts Festival)- Trios mit dem Duo

Les Soeurs aus Hannover, in Zusammenarbeit mit dem Agenda 21- Büro, wurde eine Einladung zur Teilnahme am BAF 2011 ausgesprochen.

Die Musiker Ben Mankhamba, Agoloso und Gides Chalamanda waren zusammen mit dem Festivalmanager auf Deutschlandtour um auf diese neue Festival hinzuweisen und malawische Musik hier bekannt zu machen.

Malawi ist ein Staat in Südostafrika, der am 6. Juli 1964 seine Unabhängigkeit erlangte. Malawi hatte im Jahr 2010 etwa 14 Millionen Einwohner, die Hauptstadt ist Lilongwe .

90 % der Bevölkerung sind im Agrarsektor tätig. Exportiert wird hauptsächlich Tabak, gefolgt von Tee und Zuckerrohr, während für den Eigenbedarf vor allem Mais angebaut wird.

Blantyre, auf 1.039 Meter Höhe über NN. im Shire-Hochland gelegen, ist zusammen mit der Schwesterstadt Limbe die größte Stadt Malawis.

Blantyre wurde 1895 gegründet und hat rund 730.000 Einwohner. Sie ist Sitz des Verwaltungszentrums der Southern Region.

Hannover liegt durchschnittlich 55 m ü. NN. Hanovere 1150 erstmals urkundlich erwähnt, war die Stadt ab 1814 Hauptstadt des Königreichs Hannover.“ (Quelle Wikipedia)

Seit fast 50 Jahren besteht eine Städtepartnerschaft zwischen Hannover und Blantyre.

Diese trug, zusammen mit dem Auswärtigen Amt, durch Förderung der Reisekosten dazu bei die Einladung zu realisieren.

Eingeladen wurde das Duo „Les Soeurs“ um während der Zeit des Festivals aufzutreten und Instrumentalworkshops zu geben. Durch die Auftritte und Kontakte zu den Musikern sollten vor allem die Frauen und Mädchen ermutigt werden sich musikalisch auszudrücken und zu professionalisieren.

Vom 6.- 9.10 2011 fand in Blantyre das 3. BAFestival statt.

Es waren die bekanntesten malawischen Bands wie Lucius Banda, Black Missionaries, Lucky Stars, Skeffa und Ethel K. Banda dabei. Ebenso traten Künstler aus Nachbarländern wie Oliver Mtukudzi aus Zimbabwe und eine traditionelle Gruppe aus Zambia auf.

Es wurde an 4 Orten performt: dem Warehouse (Außenbühne), der Comessahall (für den Gospelsonntag), dem Sportscomplex und dem Old Mutural Auditorium (für die Poetrycafé – Veranstaltungen).

Freitagvormittag fanden die Instrumentalworkshops für Erwachsene statt und am Samstagvormittag waren neben Vorführungen verschiedener Schultheaterprojekte auch Instrumentalworkshops für Kinder angesetzt.

Bemerkenswert war die Organisation des Ganzen, die hauptverantwortlich in den Händen von T. Chimbambo lag. Trotz fehlender staatlicher Förderung gelang es ihm und seinem Team die benötigten Gelder aus vielen Töpfen zu akquirieren und die Veranstaltung professionell zu organisieren. Auch der Fahrservice für die MusikerInnen gelang mit gemieteten Kleinbussen samt Fahrern.

Der öffentliche Nahverkehr in Blantyre besteht aus privaten Bussen und Taxen und scheitert manchmal am nicht verfügbaren Sprit oder Diesel.

Bei meinem Trommelworkshop waren 10 Trommler und Perkussionisten verschiedener Kulturgruppen aus Blantyre (Cultural Ambassadors Dance Troupe, Msambangoma Dance Troupe, Judges Cultural Troupe) sowie die Percussionistin B. Kamwendo aus Mankhambas Band. Außer der von mir mitgebrachten Djembe gab es noch 4 vom Veranstalter zur Verfügung gestellte Congas sowie von den Trommlern mitgebrachte eigene (Ngoma)Trommeln.

Da die meisten Interessierten schon viel Trommelerfahrung hatten gelang es auch ohne große gemeinsame Sprachkenntnisse (Chichewa ist weit verbreitet, Englisch weniger), das Wesentliche zu vermitteln. Der von mir ausgewählte Rhythmus stellte eine zu bewältigende Herausforderung dar, einzig die Erzeugung der Töne brauchte auf den Instrumenten eine andere Technik. Wir arbeiteten auf eine kurze Performance am Abend hin und die solistischen Talente der TrommlerInnen machten es zu einem Happening an dem alle Spaß hatten. Die verschiedenen Troupes, die eigentlich in Konkurrenz zueinander stehen, ließen sich sogar auf ein Lied in Mande- Sprache ein.

An dem Blockflötenworkshop, nahmen ebenfalls verschiedene schon etablierte Musiker teil, u. a. Ben Mankhamba und Symon Mwepesa. Für die insgesamt acht Teilnehmer war das Spielen auf diesem Instrument Neuland. Trotzdem gelang es, in der kurzen Zeit Grundlagen zu legen. Dabei war die Offenheit, Experimentierfreude und Kreativität der Teilnehmer bemerkenswert.

Am selben Abend, der mit unserem Akustikduoauftritt und einem feature für Beatrice Kamwendo begann, waren auch die Trommler mit ihrem Stück auf der Bühne.

Für den 8.10. hatten wir den Vormittagsworkshop mit Kindern auf dem Programm.

Von den verschiedenen Schulklassen die dort eine Aufführung hatten bekamen wir die Kinder/Jugendlichen der Jacarandaschool als TeilnehmerInnen.

Die Jacarandaschool ist eine private Schule für ca. 400 Waisen zwischen 6-18 Jahren. Sie bekommen dort neben den Grund- und Sekundärschullektionen ebenfalls Unterricht in Familienplanung, Ernährung, Gesundheit und persönlicher Disziplin/ Verantwortlichkeit.

Im Unterschied zu vielen öffentlichen Schulen die mit bis zu 80 Schülern pro Klasse sehr voll sind, ist das Lernen so erfolgreich, dass die“ verlorenen Kinder“ wenn sie mit der Schule fertig sind in ihren Heimatdörfern oft großes Ansehen genießen.

Sie erhalten auch Frühstück und Mittagessen, kehren aber zum übernachten zu ihren „Gönnern“ zurück.

Wir waren in den Kursen von ihrem Teamgeist und Willen zu lernen begeistert.

Nach dem Festival organisierte Ben Mankhamba einen weiteren Auftritt in einem Restaurant. Das war vom Klang her unser Highlight, er hatte seine Anlage und einen Mischer für uns zur Verfügung gestellt und wir hatten eine Probe zusammen mit Beatrice Kamwendo, die uns bei allen Stücken mit Perkussion und Gesang begleitete. Ben spielte mit uns auch 2 seiner Stücke und in dieser spontanen Session kam noch der Mischer als Bassist dazu.

Tags darauf besuchten wir morgens die Probe der „Cultural Ambassador Dance Troupe“. Deren Leiter Christopher Manyamba holte uns ab. Das Ganze verzögerte sich weil schon seit Tagen kein Diesel zu bekommen war und die Kleinbusse nur sehr rar fuhren.

Doch wir kamen zur Probe, die in einer Halle im „The Warehouse“ stattfand und bekamen einige der traditionellen malawischen Tänze zu sehen und zu hören.

Als letzter Event vor dem Rückflug hatten wir von Deutschland aus ein Treffen mit Krankenschwestern und Schwangeren im St. Josephs Hospital in der Nähe von Blantyre anberaumt. Dafür hatten wir den Malawier F. Makwinja, der ein Jahr in verschiedenen Krankenhäusern Deutschlands Krankenhausmanagement studiert hatte, gebeten für uns den Kontakt herzustellen.

Am 13.10. besuchten wir, in einem eigens für den Tag gemieteten Wagen, das Krankenhaus zum „Morgenapell“.

Dort kommen die Schwestern und die Schwangeren zusammen, Tagespunkte werden geklärt und neben Gesundheitsaufklärung werden gemeinsam Lieder gesungen.

Eines ihrer Lieder lautete: „Platz lassen zwischen den Kindern ist gut“.

Für mich ist das eine Möglichkeit die vielleicht auch in Deutschland bei der Gesundheitserziehung helfen könnte. Wäre doch klasse „Tipps zum Gesundbleiben“ in Liedform zu bringen, die die Patienten hier vorm Frühstück gemeinsam singen.

Wir hatten noch zwei Gesprächseinheiten, zum Einen mit vier Schwangeren und zum Anderen mit zwei Krankenschwestern, und konnten unsere Fragen bezüglich der MDGs (Millennium- Entwicklungsziele) beantworten lassen.

Eines der größten Probleme der Gesundheitsversorgung im ländlichen Sektor ist tatsächlich der Transport. Die Schwestern fahren mehrmals pro Woche in die Dörfer um dort nach dem Rechten zu sehen. Wenn aber kein Sprit zu haben ist, fallen diese Visiten aus. Auch für die Schwangeren ist die Fahrt in die oft weit entfernten Krankenhäuser ein Kostenfaktor, den sie manchmal nicht zahlen können. Dann wenden sie sich an die traditional birth atendants die für Komplikationen unter der Geburt wie Kaiserschnitt oder Bluttransfusionen nicht ausgerüstet sind.

Im Nachgespräch mit Sister Mercy (der Krankenhausleiterin) versicherten wir, das Gehörte im Rahmen unserer Arbeit als Musikerinnen und Lehrerinnen an die Öffentlichkeit hier in Deutschland weiterzugeben und zu schauen, ob wir Menschen/Institutionen finden, die St. Josephs unterstützen können.

Als letzte offizielle Etappe unserer Musikreise besuchten wir die Jacarandaschool, um den Flötenschülern einige Flöten dazulassen und noch eine kleine Extramusikstunde mit ihnen zu machen.

Wir kamen in der Mittagspause und hatten eine Stunde. Wir brachten ihnen „Hejo spann’ den Wagen an“ mit und bekamen ein Hochzeitslied in Chichewa beigebracht.

Nach einem straff geplanten und erfolgreich umgesetzten Kurzaufenthalt flogen wir am nächsten Morgen zurück.

Eine der schönsten Erinnerungen an Malawi sind die lila blühenden Jacarandas. Und es gibt noch mehr zu entdecken!

Der Malawisee ist ein touristisches Highlight und auch die sich langsam entwickelnden biologisch arbeitenden Betriebe für Reis und Macadamianüsse sind sicher einen nächsten Besuch wert.

Uli Meinholz (Fotos R. Conrad)

Erschienen in der BaoBaB Zeitschrift Ausgabe 6 – 2012 (ADV Nord e.V.)

Zur weiteren Information:

www.blantyreartsfestival.org, http://www.hannover.de/de/buerger/entwicklung/partnerschaften/staedtepartnerschaften/sta_blan/musik_blantyre.html, www.jacarandafoundation.org, http://allafrica.com/stories/201103151336.htm www.awarefair.org, www.trommel-holz.de,

Ein musikalischer Kurztrip 2011 nach Malawi

Kleine Instrumentenkunde

Kalebassen sind in Mali auf jedem Markt zu finden. Sie sind Küchenutensilien und werden als Schüsseln, Wassereimer, Löffel, Flaschen usw. benutzt.

Die Kürbisse sind einfach anzubauen, die Früchte sind leicht, in allen Größen zu haben und bei Entsorgung schnell und vollkommen biologisch abbaubar.

Diese vielseitigen Qualitäten machen sie auch zum Musikinstrumentenbau interessant:

Djidundun (Wassertrommel)

Aus der Benutzung in der Küche ergibt sich die Kenntnis von Klangqualitäten.

Dieses Instrument wird vielerorts nur von Frauen gespielt.

(Als Gida wird die halbe Kalebasse mit und ohne Kaurimuschelrand mit den Händen geschlagen und geworfen.)

In der Form als Wassertrommel wird sie von den Tuaregfrauen bei Gesangsfesten zusammen mit der Tindentrommel mit einem Stock gespielt.

Andere Frauen spielen sie vor Hochzeiten, zum anfeuern fürs Getreidestampfen oder beim Yogorofestival (Mitte Ramadan).

Auch bei Treffen von Geheimbünden, bei Beschneidungen oder zu Beerdigungen und Ahnenanrufungen wird sie benutzt.

Djembe (Bechertrommel)

(Möglicherweise aus einem durchstoßenen Mörser entstand die erste Djembetrommel.)

Den Schmieden, welche auch die Werkzeuge für den Bau herstellen, wird die Erfindung dieser Handtrommel nachgesagt.

Sie ist für uns in Deutschland derzeit das am meisten bekannte afrikanische Instrument.

Erst seit ein paar Jahrzehnten kann sie durch Spannen mittels Plastikschnüren und Eisenringen, im Klang sehr hoch und durchdringend werden.

Eine Djembe ist meist aus dem Baumstamm eines Hartholzes mit Namen Lenke gebaut und hat eine Antilopenhaut. Heute wird meistens Ziegenhaut genommen.

Die „Ohren“ am Rand auch Seke Seke oder nege oder Kessing genannt bereichern den sonst trockenen Ton.

Dundun (Basstrommel)

Diese Trommel wird in verschiedenen Durchmessern aus ausgehöhlten Lenkestämmen oder alten Metallfässern gebaut.

Sie hat auf beiden Seiten Kuhhaut, oder alte Djembefelle und wird wie die Djembe mit Schnüren und Eisenringen gespannt.

Als Stocktrommel wird sie meist mit einer Glocke zusammengespielt und verschiedene Größen kombiniert.

Typisch für die Malinkemusik ist es, die tiefen, dumpfen Basstrommeln mit den hohen blechernen Djembes zu einem Trommelorchester zu vereinen.

Die 3 Größen werden dann Kenkeni, Sangban und Dundun genannt.

Kamalen Ngoni (Stegharfe)

Diese zweizügige, pentatonische Harfe ist als Kamalen Ngoni erst in den 70er Jahren im Wassoulon einer Kulturregion in Nordwestmali und Ostguinea entstanden.

Aus einem rituellen Instrument der Jägerclans wurde für den Hausgebrauch eine kleinere Version entwickelt.

Durch bekannte malische Sänger wie Salif Keita und später Oumou Sangare bekamen wir in Europa auch dieses Instrument erstmals zu Sehen und zu Hören.

Der Körper ist aus 3/4 einer Kalebasse, bespannt mit einer Haut aus Ziege oder Antilope und gestützt durch Bambusstangen.

Von dem Hals aus Lenkeholz wird mittels Gitarrenwirbeln zum Spannen Nylonschnur durch einen Steg geführt und unterhalb befestigt.

Balafon (Holzxylofon)

Balafone in Mali sind entweder pentatonisch oder diatonisch; das hängt von der Ethnie/Bevölkerungsgruppe ab die darauf spielt.

Der Name Balanfo setzt sich aus Balan (das Holz auch Gueni genannt) und – fo (das Malinkewort für sprechen) zusammen.

Ist also ein sprechendes Holz was die Ton-sprache seines Erbauers spricht.

Verstärkt wird der Klang durch unten angebrachte Kalebassen.

Cajon (die Wunderkiste)

ist „entstanden“ in der Zeit der Sklaverei aus dem Bedürfnis die eigene Musikalität/Tradition in der Gefangenschaft aufrecht zu erhalten.

Wie wir aus unserer Kindheit wissen kann alles zur Trommel werden, ein Topf, ein Tisch, oder eben eine Kiste.

Auf Cuba wurden Fischkisten, Tabakkisten und Zigarrenkisten als verschiedene Stimmen eines Rhythmus

(wie z. B. der Rhumba cubana) benutzt.

Was ist meine Arbeit?

Ich bin seit knapp 30 Jahren in der interkulturellen Erwachsenenarbeit tätig, ich vermittle Trommelrhythmen, Lieder und Tänze aus Westafrika zumeist hier in Deutschland einem hauptsächlich Erwachsenen Klientel.

In meinem schriftlichen Beitrag gehe ich näher auf die von mir benutzten Techniken der Vermittlung über die Sinne ein. Ich berichte über auftretende Schwierigkeiten und Erkenntnisse (Teamgeist) beim Lernen und weise auf die Rahmenzusammenhänge des Aufführungskonzepts in den Herkunftsländern hin (Musik aus sozialen Anlässen). Die Texte der Lieder und die Tanzbewegungen lassen viele Rückschlüsse über die Kultur und die Werte die hinter der jeweiligen Musik stecken zu.

Auch meine Erfahrungen beim Lernen in den jeweiligen Ländern sowie Diskussionen über verschiedene kulturelle Vorstellungen und Werte sind Teil meines Unterrichts.

Des Weiteren erzähle ich von meiner Faszination für diese Musiken und gebe Beispiele für die Reaktionen der Kursteilnehmer. Die Bedeutung von Musik und Tanz in der interkulturellen Bildungsarbeit fasse ich wie folgt zusammen:

Musik und Tanz sind für die allermeisten Menschen Freude spendende, erholsame Tätigkeiten.

Sie verbinden den Menschen mehr mit seinem Körper, seinen Mitmenschen und halten die Aufmerksamkeit in der Gegenwart.

Dadurch dass durch reines Nachahmen (die erste Form des Lernens) schon recht akzeptable Erfolge zu verzeichnen sind ermutigen sie den Menschen in seinem Sein und Tun.

Selbst Menschen die in anderen Bereichen als leistungsschwach eingestuft werden erzielen hier viele Erfolgserlebnisse.

In Afrika sagt man: „Die Musik schmeckt gut“. Da die sinnliche Betätigung (Fühlen) die rechte Gehirnhälfte anregt und durch rhythmische und sprachliche (als Symbol) Betätigung die linke Hälfte aktiviert wird, ist der gesamte Mensch gefordert und es werden viele neue Vernetzungen im Gehirn geschaffen.

Stress kann abgebaut werden und der natürliche Tätigkeitsdrang eines jeden wird befriedigt.

Publikation in der BfN-Schriftenreihe „Naturschutz und Biologische Vielfalt“ – Heft 68.