Heiße Rhythmen für kalte Tage

Jahresabschlussfest der Trommelschule ILU

Als Abschluss des Trommeljahres findet ein Fest statt, Intensiv Geübtes wird von den SchülerInnen für Familie, Freunde und Interessierte vorgetragen und Zeit und Raum für Austausch und Neues gelassen, jeweils mit einem Kurzkonzert und einem Allstargroove als Abschluss.

Kommt zuhauf, bringt gute Laune, Mut und reichlich Applaus- wir freuen uns darauf – der Eintritt ist frei.

Zusammenschnitt verschiedener Trommelgruppen als Video

Kleine Instrumentenkunde

Kalebassen sind in Mali auf jedem Markt zu finden. Sie sind Küchenutensilien und werden als Schüsseln, Wassereimer, Löffel, Flaschen usw. benutzt.

Die Kürbisse sind einfach anzubauen, die Früchte sind leicht, in allen Größen zu haben und bei Entsorgung schnell und vollkommen biologisch abbaubar.

Diese vielseitigen Qualitäten machen sie auch zum Musikinstrumentenbau interessant:

Djidundun (Wassertrommel)

Aus der Benutzung in der Küche ergibt sich die Kenntnis von Klangqualitäten.

Dieses Instrument wird vielerorts nur von Frauen gespielt.

(Als Gida wird die halbe Kalebasse mit und ohne Kaurimuschelrand mit den Händen geschlagen und geworfen.)

In der Form als Wassertrommel wird sie von den Tuaregfrauen bei Gesangsfesten zusammen mit der Tindentrommel mit einem Stock gespielt.

Andere Frauen spielen sie vor Hochzeiten, zum anfeuern fürs Getreidestampfen oder beim Yogorofestival (Mitte Ramadan).

Auch bei Treffen von Geheimbünden, bei Beschneidungen oder zu Beerdigungen und Ahnenanrufungen wird sie benutzt.

Djembe (Bechertrommel)

(Möglicherweise aus einem durchstoßenen Mörser entstand die erste Djembetrommel.)

Den Schmieden, welche auch die Werkzeuge für den Bau herstellen, wird die Erfindung dieser Handtrommel nachgesagt.

Sie ist für uns in Deutschland derzeit das am meisten bekannte afrikanische Instrument.

Erst seit ein paar Jahrzehnten kann sie durch Spannen mittels Plastikschnüren und Eisenringen, im Klang sehr hoch und durchdringend werden.

Eine Djembe ist meist aus dem Baumstamm eines Hartholzes mit Namen Lenke gebaut und hat eine Antilopenhaut. Heute wird meistens Ziegenhaut genommen.

Die „Ohren“ am Rand auch Seke Seke oder nege oder Kessing genannt bereichern den sonst trockenen Ton.

Dundun (Basstrommel)

Diese Trommel wird in verschiedenen Durchmessern aus ausgehöhlten Lenkestämmen oder alten Metallfässern gebaut.

Sie hat auf beiden Seiten Kuhhaut, oder alte Djembefelle und wird wie die Djembe mit Schnüren und Eisenringen gespannt.

Als Stocktrommel wird sie meist mit einer Glocke zusammengespielt und verschiedene Größen kombiniert.

Typisch für die Malinkemusik ist es, die tiefen, dumpfen Basstrommeln mit den hohen blechernen Djembes zu einem Trommelorchester zu vereinen.

Die 3 Größen werden dann Kenkeni, Sangban und Dundun genannt.

Kamalen Ngoni (Stegharfe)

Diese zweizügige, pentatonische Harfe ist als Kamalen Ngoni erst in den 70er Jahren im Wassoulon einer Kulturregion in Nordwestmali und Ostguinea entstanden.

Aus einem rituellen Instrument der Jägerclans wurde für den Hausgebrauch eine kleinere Version entwickelt.

Durch bekannte malische Sänger wie Salif Keita und später Oumou Sangare bekamen wir in Europa auch dieses Instrument erstmals zu Sehen und zu Hören.

Der Körper ist aus 3/4 einer Kalebasse, bespannt mit einer Haut aus Ziege oder Antilope und gestützt durch Bambusstangen.

Von dem Hals aus Lenkeholz wird mittels Gitarrenwirbeln zum Spannen Nylonschnur durch einen Steg geführt und unterhalb befestigt.

Balafon (Holzxylofon)

Balafone in Mali sind entweder pentatonisch oder diatonisch; das hängt von der Ethnie/Bevölkerungsgruppe ab die darauf spielt.

Der Name Balanfo setzt sich aus Balan (das Holz auch Gueni genannt) und – fo (das Malinkewort für sprechen) zusammen.

Ist also ein sprechendes Holz was die Ton-sprache seines Erbauers spricht.

Verstärkt wird der Klang durch unten angebrachte Kalebassen.

Cajon (die Wunderkiste)

ist „entstanden“ in der Zeit der Sklaverei aus dem Bedürfnis die eigene Musikalität/Tradition in der Gefangenschaft aufrecht zu erhalten.

Wie wir aus unserer Kindheit wissen kann alles zur Trommel werden, ein Topf, ein Tisch, oder eben eine Kiste.

Auf Cuba wurden Fischkisten, Tabakkisten und Zigarrenkisten als verschiedene Stimmen eines Rhythmus

(wie z. B. der Rhumba cubana) benutzt.

Trommelrhythmen grenzenlos

 

Kulturelle Vielfalt erfahren durch Trommelrhythmen verschiedener Länder. Neben vorgegebene

n Rhythmen eigene Ideen mit anderen kommunizieren und umsetzen. Mithilfe von Trommelsilben und Merksätzen werden Rhythmen

erfunden und vermittelt. Den eigenen Körper zum Instrument machen mit

body- und mouthpercussion. Gemeinsa

m und gleichzeitig spielen und dennoch bei sich bleiben.

Künstlerische Arbeit mit neu Hinzugekommenen und Einheimischen im Auftrag von „Künste ohne Grenzen“

Kulturhappen aus südlichen Ländern

Eintauchen in die percussive Welt fremder Rhythmen und Klänge, Neues probieren und entdecken 

in folgenden Kurzworkshops (je 3 Stunden)

Handtrommeln spielen lernen, ein Workshop für Beginnende. Erdende Rhythmen aus Westafrika – mit beiden Händen auf der Trommel laufen lernen.

Sprechende Trommeln: Was erzählt die Talkingdrum in Nigeria, Ghana und bei uns?

Schlagzeug im Handgepäck: Pandeiro, die brasilianische Rahmentrommel mit Schellen

Samba Basics: einfacher Rhythmus wo jede*r mit kann. (Trommeln mit Sticks)

Die Wunderkiste Cajon – einfache grooves für den Hausgebrauch.

Alle Glocken klingen: Agogos, Campanas – das Herz der Musik in verschiedenen Kulturen und Spielarten.

Shake it baby: Die Rasseln, Calabashs und Schüttelrohre und ihre Handhabung.

Musikbogen: Das Berimbau in der brasilianischen Musik und anderswo.

Kamalen Ngoni pentatonische Harfe aus Mali: Einfache Grooves und Lieder kennen und spielen lernen.

Lieder aus Westafrika mit sonnigen Songs aus Westafrika die (noch) in keinem Liederbuch stehen. In Zusammenarbeit mit Karima Effmert (Klangraum-Stimmarbeit)

Solotechniken: Was macht ein gutes Trommelsolo aus? Ideen zur Struktur und für die Entwicklung eigener Solos.

Eigene Instrumente können mitgebracht werden oder gegen Gebühr ausgeliehen werden.

Was ist meine Arbeit?

Ich bin seit knapp 30 Jahren in der interkulturellen Erwachsenenarbeit tätig, ich vermittle Trommelrhythmen, Lieder und Tänze aus Westafrika zumeist hier in Deutschland einem hauptsächlich Erwachsenen Klientel.

In meinem schriftlichen Beitrag gehe ich näher auf die von mir benutzten Techniken der Vermittlung über die Sinne ein. Ich berichte über auftretende Schwierigkeiten und Erkenntnisse (Teamgeist) beim Lernen und weise auf die Rahmenzusammenhänge des Aufführungskonzepts in den Herkunftsländern hin (Musik aus sozialen Anlässen). Die Texte der Lieder und die Tanzbewegungen lassen viele Rückschlüsse über die Kultur und die Werte die hinter der jeweiligen Musik stecken zu.

Auch meine Erfahrungen beim Lernen in den jeweiligen Ländern sowie Diskussionen über verschiedene kulturelle Vorstellungen und Werte sind Teil meines Unterrichts.

Des Weiteren erzähle ich von meiner Faszination für diese Musiken und gebe Beispiele für die Reaktionen der Kursteilnehmer. Die Bedeutung von Musik und Tanz in der interkulturellen Bildungsarbeit fasse ich wie folgt zusammen:

Musik und Tanz sind für die allermeisten Menschen Freude spendende, erholsame Tätigkeiten.

Sie verbinden den Menschen mehr mit seinem Körper, seinen Mitmenschen und halten die Aufmerksamkeit in der Gegenwart.

Dadurch dass durch reines Nachahmen (die erste Form des Lernens) schon recht akzeptable Erfolge zu verzeichnen sind ermutigen sie den Menschen in seinem Sein und Tun.

Selbst Menschen die in anderen Bereichen als leistungsschwach eingestuft werden erzielen hier viele Erfolgserlebnisse.

In Afrika sagt man: „Die Musik schmeckt gut“. Da die sinnliche Betätigung (Fühlen) die rechte Gehirnhälfte anregt und durch rhythmische und sprachliche (als Symbol) Betätigung die linke Hälfte aktiviert wird, ist der gesamte Mensch gefordert und es werden viele neue Vernetzungen im Gehirn geschaffen.

Stress kann abgebaut werden und der natürliche Tätigkeitsdrang eines jeden wird befriedigt.

Publikation in der BfN-Schriftenreihe „Naturschutz und Biologische Vielfalt“ – Heft 68.